Pflanze des Jahres 2015: Der gewöhnliche Teufelsab


Wie in jedem Jahr hat die Stiftung Naturschutz Hamburg, besser bekannt als „Loki Schmidt – Stiftung“, am 21. Oktober den gewöhnlichen Teufelsabbiss als Pflanze des Jahres 2015 bekannt gegeben.
Heute trägt diese geheimnisvolle Pflanze den botanischen Namen Succisa pratensis früher jedoch nach Linne` Scabiosa succisa. Die Bezeichnung „succisa“ leitet sich vom lateinischen succisus ab und bedeutet „unten abgeschnitten“. Damit wird auf den Wurzelstock hingewiesen, der am unteren Ende meistens abgefault ist und wie abgebissen aussieht. „Pratensis“ bedeutet „auf Wiesen wachsend“.


In der systematischen Pflanzenordnung gehört die Art zur Ordnung der Kardenartigen Gewächse (Dipsacales), dort zur Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae) und weiter zur Unterfamilie der Kardengewächse (Dipsacoidea).
Die Pflanze wird 15 bis 80cm hoch mit einem aufrechten, behaarten Stängel, der sich nur wenig verzweigt und nur einzelne Blätter trägt. Während die Grundblätter gestielt, länglich und stumpf sind, zeigen sich die Stängelblätter spitz und länglich.
Der Teufelsabbiss blüht relativ spät von Juli bis September in halbkugeligen Köpfchen mit einer zwei – dreireihigen Hülle, ähnlich den Korbblütlern. Die langen, gestielten Köpfchen bestehen aus 50 bis 80 Einzelblüten von purpurblauer Farbe, alle von gleicher Größe. Die Randblüten des Köpfchens sind vormännlich, d.h. sie reifen vor den Narben, was eine Selbstbestäubung unmöglich macht.
Sie enthalten 4 Staubblätter. Ansonsten spricht der Botaniker von einer gynodiözischen Pflanze. Das bedeutet, dass es sowohl weibliche als auch zwittrige Exemplare gibt. Die Kronblätter der Blüte sind spitz, vierzipfelig und verwachsen.
Aus dem unterständigen Fruchtknoten entstehen einsamige Nussfrüchte. Bestäubt wird die Pflanze von Bienen, Zweiflüglern und Faltern.
Wir finden den Teufelsabbiss auf Moor- und Magerwiesen. Im Bergland kommt er noch relativ häufig vor, während sein Lebensraum in unseren heimischen Gebieten sehr gefährdet ist.

Im Mittelalter spielte der Teufelsabbiss als Heilpflanze eine große Rolle. In den bekannten Kräuterbüchern wurde er ausführlich beschrieben. Der kräuterkundige Arzt Lonicerus empfahl die frisch zerquetschte Pflanze gegen Karbunkel und innerliche Geschwüre. Auch der italienische Arzt und Botaniker Matthiolus beschreibt die Wirksamkeit des Krautes als Gurgelmittel bei Atemwegserkrankungen und Arznei gegen Abszesse im Hals- und Rachenraum. Der Volksmedizin ist diese Pflanze ebenfalls nicht unbekannt. Sie wurde äußerlich bei Hautproblemen, bei Zahn- und Leibschmerzen sowie bei Schwindel und Entzündungen angewendet.
Obwohl heute keine gesicherte, wissenschaftliche Empfehlung mehr für die Anwendung dieser Pflanze als Heilmittel gegeben werden kann, findet man in der Literatur und bei erfahrenen Kräuterheilkundigen noch Rezepte für Teemischungen. Man findet den Teufelsabbiss in Mitteln, die zur sogenannten „Blutreinigung“ dienen und in Hustentees als schleimlösendes Mittel. Verwendet wird hierbei das oberirdische Kraut oder auch die Wurzel. Die Inhaltsstoffe Saponine, Gerb- und Bitterstoffe lassen eine vorsichtige Anwendung bei fieberhaften Erkältungskrankheiten vertreten.
Jedoch verbietet es sich von selbst, diese Pflanze wegen ihrer hohen Gefährdung in unserer heimischen Pflanzenwelt für Heilzwecke zu sammeln, zumal es unter den Heilkräutern viele gibt, die für die oben genannten Indikationen gesichert wirksam sind.

Viel werden sich fragen, wo der Teufel bei dieser Pflanze seine Hand oder besser seine Zähne im Spiel hat.
Dazu gibt es einige Sagen und Legenden. Zwei davon möchte ich hier wiedergeben:
Der Teufel schloss einst mit einem jungen Mann einen Vertrag. Um den Preis seiner Seele sollte er die Heilkraft aller Pflanzen kennenlernen. Schnell eignete sich der Jüngling ein immenses Wissen an und wurde damit dem Höllenfürsten selbst zu gefährlich. Der Teufel brach den Pakt und ließ den Mann erblinden.
Der wiederum benutzte sein Wissen um die Heilkräfte vieler Pflanzen und erlangte seine Sehkraft durch die Anwendung einer bestimmten Wurzel zurück. Daraufhin erboste der Teufel so sehr, dass er der augenheilenden Pflanze kurzerhand die Wurzel abbiss.
Seitdem sieht die Wurzel der heilkräftigen Pflanze immer wie abgebissen aus und trägt den Namen „Teufelsabbiss“. In der Tat wurde bei ihr seit alters her auch eine Wirksamkeit gegen Augenkrankheiten bei Mensch und Tier beschrieben.

In einer anderen Legende wird berichtet, dass der Teufel mit der Wirksamkeit dieser Pflanze großes Unheil anrichtete. Aus Barmherzigkeit mit den Menschen entzog ihm die Gottesmutter Maria deshalb die Gewalt über die Pflanze. Darüber wurde der Teufel so wütend, dass er die Wurzel von unten abbiss, um ihr die Heilkraft zu nehmen.
Seitdem trugen die Menschen gerne ein Stück der Wurzel bei sich, um Teufel und Dämonen abzuwehren. Sie schützte ebenso gegen böse Hexensprüche und gegen das
Verhexen des Viehs. Beim Buttern von Milch hatte man größeren Erfolg, wenn man das Butterfass vorher mit einem Sud aus Teufelsabbiss reinigte.
All diese Sagen und Legenden bekräftigen die Wirksamkeit der Pflanze und zeigen uns, in welch hohem Ansehen sie gestanden hat.